Verfasser der Chronik

 Aus der Gründungszeit

 

Wenn wir die 25jährige Vereinschronik des Tambourenvereins Solothurn zurückblättern und am Anfang das vielsagende Wort «Gründungsversammlung» steht, so sind es drei Namen, die unsere Aufmerksamkeit sofort auf sich lenken. Sie heißen:

 

Wenger Fritz, Briefträger

Geiser Walter sen., Mechaniker

Jaeggi Hans, Abwart.


Wackere Männer waren es, denen die Liebe zum Trommelspiel über alles ging. Wenger und Jaeggi, zwei Turnkameraden, die bei jedem turnerischen Anlass freudig die Schlegel rührten, hegten seit Jahren den Wunsch, in der St. Ursenstadt eine Trommlersektion zu gründen. Dieses Verlangen scheiterte jedoch stets am Mangel einer geeigneten, mit den nötigen Kenntnissen ausgerüsteten Kraft. Wie dann aber im Jahr 1923 Geiser Walter, der als tüchtiger Militärtambour weitherum bekannt war, seine berufliche Tätigkeit von Grenchen nach Solothurn verlegte, da waren die Voraussetzungen für einen solchen Schritt erfüllt.

 

Die erste Fühlungnahme zwischen Wenger und Geiser erfolgte auf einer Posttour des erstern im Blumensteinquartier, wo in kurzem Gespräch die notwendigen Richtlinien, die zu einer Vereinsbildung notwendig waren, erörtert wurden.

 

Es war dann am 3. September 1923 , wo auf Initiative des dreiblättrigen Kleeblattes, Wenger, Geiser und Jaeggi, sich auf vorherige Einladung im Restaurant Storchenhalle neun Freunde des Kalbfells zusammenfanden, die alle vom gleichen Gedanken und vom gleichen Geist beseelt waren, in Solothurn auf trommlerischem Gebiet etwas zu leisten. Nach klaren Worten des Hauptinitianten Wenger Fritz, in denen er auf die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses aller Idealisten des Trommelspiels hinwies, wurde dann nach gewalteter lebhafter Diskussion einstimmig der heutige Tambourenverein Solothurn aus der Taufe gehoben. Diese neun unentwegten, wackeren Vorkämpfer wollen wir nachfolgend für alle Zeiten der Nachwelt erhalten als die Gründer des Tambourenvereins Solothurn.

 

Wenger Fritz

Rieffly Emil

Wicki Werner

Geiser Walter

Rauber Walter

Lachat Paul

Jaeggi Hans

Schärmeli Leo

Aberegg Adolf

 

An dieser Gründungsversammlung waren die Herren Burkhard und Schweingruber vom Tambourenverein Wasseramt anwesend, welche die Neulinge über Weg und Ziel eines solchen Vereins orientierten.

 

Man schritt dann zur Bestellung des ersten Vereinsvorstandes. Die drei großen Initianten genossen denn auch das Vertrauen aller Anwesenden, und als erster Vereinspräsident wurde einstimmig Wenger Fritz gewählt. Als Kassier beliebte Jaeggi Hans und als Aktuar Lachat P. Die Leitung des neuen Vereins übernahm Geiser Walter.

 

So war denn der Grundstein zum jetzigen Tambourenverein Solothurn gelegt und wir wollen all dieser Männer heute mit ganz besonderer Verehrung gedenken.

 

Nun begann ja die große aufopfernde Tätigkeit der jungen Vereinsfunktionäre. Es galt, finanzielle Mittel zu beschaffen, Instrumente und Vereinsinventar anzuschaffen. Bereits die erste Vorstandssitzung am 20. September befasste sich gründlich mit dieser Angelegenheit.

 

 

Es wurde der Beschluß gefasst, ein Saukegeln durchzuführen, um damit die Kasse mit den nötigen finanziellen Mitteln zu speisen. Ebenfalls wurde ein Bareinzug bei den städtischen Vereinen durchgeführt. Dieser erste Einzug ergab damals die schöne Summe von Fr. 700.–, welche es dann ermöglichte, die notwendigen Instrumente zu beschaffen. Rasch stieg dann die Mitgliederzahl dieses jungen Vereins bis aufs Doppelte, aber leider schlichen sich auch Leute ein, die auf trommlerischem Gebiet nichts zu leisten imstande waren, und bereits beschäftigte sich die Hauptversammlung vom 20. Januar 1924 mit solchen Ungeeigneten, indem vier Mitglieder aus dem Verein ausge-schlossen wurden.

 

An dieser Versammlung wurden auch die ersten Statuten des Vereins einstimmig genehmigt. Als Vereinslokal einigte man sich nach längerer Diskussion für das Restaurant zum Baseltor, wo sich die solothurnischen Tambouren bis zum heutigen Tag noch heimisch fühlen.

 

An dieser ersten Hauptversammlung war ebenfalls der Sekretär des Schweizerischen Tambourenverbandes, Karl Angst aus Biel, anwesend. Er gab dem Verein neue Richtlinien betr. Tätigkeitsprogramm und Festarbeit und ermunterte die Solothurner, dem Schweizerischen Tambourenverband beizutreten, was dann die nachfolgende Versammlung vom 8. März einstimmig beschloß.

 

Am 4. Mai 1924 wagte sich der junge Tambourenverein erstmalig an die Öffentlichkeit, indem ein Ausmarsch nach Attisholz, Luterbach, Derendingen, Zuchwil durchgeführt wurde.  

 

Anfangs des Jahres 1924 traten dann dem Verein drei neue Mitglieder bei, welche es verdienen, hier ebenfalls ehrend erwähnt zu werden. Es sind dies Reutegger Karl, Rutschmann Hans und Geiser Walter jun. Alle drei können heute auf ein 25jähriges Wirken im Tambourenverein Solothurn zurückblicken, wobei Reutegger 20 Jahre das Amt eines Aktuars mustergültig führte und Rutschmann dem Verein ein volles Jahrzehnt als Kassier diente.

 

Ich möchte nun doch dieses Gründungskapitel nicht abschließen, ohne noch einmal auf die große, erfolgreiche Pionierarbeit der drei Hauptinitianten hinzuweisen.

 

Wenger Fritz stand dem Verein seit der Gründung bis zum Jahr 1926 als Präsident vor. Sein draufgängerisches Wirken bildete den Grund-stein für den Aufbau des jungen, strebsamen Tambourenvereins. Seine großen Bemühungen, dem Verein auch in der Öffentlichkeit Geltung zu verschaffen, erreichte er dank seiner vorzüglichen Beziehungen zu den städtischen Behörden. Leider zwang ihn dann ein heimtückisches Leiden, nach dreijährigem Wirken, in welcher Zeit er seine ganze außerberufliche Tätigkeit dem Verein zur Verfügung stellte, die Vereinsleitung einer andern Kraft anzuvertrauen.

 

Im Jahr 1927 ernennt ihn der Tambourenverein in Anbetracht seiner großen Verdienste als Gründer und Förderer des Vereinswesens zu seinem ersten Ehrenmitglied.

 

Langsam wurde es dann still um unsern Freund und seine letzten Lebensjahre waren durch Beschwerden und Krankheit gekennzeichnet. Am 1. Februar 1942 erlöste ihn der Tod von seinem schweren Leiden. Ein mutiger Vorkämpfer einer schönen Sache, der seine ganze Kraft in den Dienst des Tambourenvereins gestellt hatte, sank mit ihm ins Grab.

 

Und nun verdient als zweiter dieses Kleeblattes, Wengers Nachfolger Geiser Walter sen., eine besondere Würdigung. 15 lange Jahre ist er dem Verein als zuverlässiger Instruktor und 12 Jahre hievon zugleich noch als Präsident vorgestanden. Raumeshalber ist es hier nicht möglich, auf die großen, gewaltigen Verdienste, die sich Kamerad Geiser um das Wohlergehen seines lieben Tambourenvereins erworben hat, näher einzutreten. In unermüdlicher, zielbewusster Instruktion hat er den Verein von Stufe zu Stufe emporgearbeitet. Seinen größten Triumph erlebte er im Jahre 1937, v. o der Tambourenverein unter seiner Leitung am Eidgenössischen Tambourenfest in Luzern den ersten Rang erkämpfte. Disziplin und Kameradschaftsgeist waren die zwei wichtigsten Voraussetzungen, denen Geiser Walter huldigte und diese beiden Faktoren haben im Tambourenverein mit beigetragen zum großen Erfolg. Als der große Pionier im Jahre 1939 als Leiter und Präsident seinen Abschied nahm, ernannte ihn der Tambourenverein zum Ehrenmitglied und Ehreninstruktor. Obwohl nicht mehr aktiv tätig, kümmerte er sich doch ständig um das Gedeihen seines lieben edlen Trommelspiels und um den Fortschritt seines Vereins. Am 28. Mai 1948 erlöste ihn der Tod von einem schweren Leiden. In ergreifenden Worten dankte der Vereins-präsident dem treuen Diener am offenen Grabe, der es verdient, daß wir hier den Worten auszugsweise Raum geben.

 

«Mit goldenen Buchstaben wird der Name Geiser Walter in unsere Vereinschronik, die in drei Monaten das erste Vierteljahrhundert abschließt, eingetragen werden. Groß und unbezahlbar ist die Arbeit, die der Verstorbene in den vielen Jahren für die strebsame Trommlersektion geleistet hat. Als leuchtendes Vorbild von Pflichterfüllung und seltener Vereinstreue, ist er stets der jungen Garde vorangeschritten und hat dadurch den Verein zu Ansehen und großer Blüte gebracht. Als Vorkämpfer bester Prägung, der dem Verein das Lebenslicht geschenkt, als großer Idealist der schönen, edlen Trom-melkunst, sinkst Du ins Grab. Möge das Andenken an Dich uns Kraft verleihen, das große Werk, das wir heute von Dir übernehmen, im gleichen Sinn und Geist weiterzuführen, zum Erfolg, wie Du uns hiezu den Weg gewiesen hast».

 

Und nun der 3. im Bunde, ein verdientes, zu unserem Glück heute noch unter uns weilendes Aktiv-Ehrenmitglied, Jaeggi Hans. Stets war und ist er einer der stillen im Aktivbestand, aber stille Wasser gründen tief. Nicht viele Worte, sondern nur die Taten zählen. Mit seltener Liebe und Hingabe erfüllt Jaeggi Hans seit 25 Jahren seine Pflicht im Tambourenverein. Ohne Unterbruch ist er seit der Gründung des Vereins im Vorstand tätig. Von 1923 bis 1927 führte er das Amt des Kassiers, und wie dann der zweite Weltkrieg entbrannte, da wußte er, daß nun seine Zeit gekommen war. Im Jahre 1939 übernimmt er auf Drängen seiner Kameraden hin mit starker Hand die Leitung des Vereins, um denselben glücklich durch die 6 Kriegsjahre hindurch-zusteuern. Und wenn der Tambourenverein gesund und stark aus den Wogen dieses furchtbaren Völkermordens hervorgetreten ist, so ist es nicht zuletzt das Werk unseres Ehrenmitgliedes Jaeggi Hans. Wenn nun heute, an unserem Jubeltag, unser kleines stolzes Banner wieder wie seit über 10 Jahren, von seiner kundigen Hand unsern Reihen vorangetragen wird, so nehme er diese schöne, bescheidene Geburtstagskundgebung des Tambourenvereins als Zeichen der Anerkennung und des Dankes entgegen.

 

Die große Aufbauarbeit dieser 3 prominentesten unserer 9 Gründer überschattet die übrigen Getreuen, die vor 25 Jahren an der Wiege des Tambourenvereins standen. Das Schicksal der «Stillen im Lande» will es, daß man ihrer nicht in ausgiebiger Weise gedenken kann.

 

Aber stolz sind wir auf jene 9 Unentwegten und bieten ihnen im Geiste unsere Hand dar und verneigen uns in Ehrfurcht vor ihrer Tat.

 

 

Leistungen und Erfolge und sonstige Gegebenheiten

 

Es wird dem Verfasser dieser Zeilen nicht möglich sein, mangels genügendem Raum, sämtliche Anlässe und Begebenheiten in diesem 25jährigen Vereinsgeschehen hier in lückenloser Folge anzuführen. Hier geht es darum, die wichtigsten Erlebnisse, Erfolge und Misserfolge des Tambourenvereins Solothurn in seinem ersten Vierteljahrhundert in die Erinnerung zurückzurufen, und solche in dieser kleinen Schrift der Nachwelt zu erhalten.

 

Die Chronik erzeigt bereits im ersten Vereinsjahr 1924 eine ganz intensive Tätigkeit der jungen Sektion. Am 30./31. August beteiligten sich die Solothurner Tambouren erstmalig an einem Interkantonalen Tambourenfest in Lenzburg und errangen daselbst den 6. Lorbeer. Ein Freundschaftstreffen zwischen den Sektionen Biel, Bern, Burgdorf, Wasseramt und Lengnau im November findet spezielle Erwähnung. Am Silvester des gleichen Jahres ertönten die stillen Gassen der St. Ursenstadt vom wuchtigen Zapfenstreich des Tambourenvereins, der es sich nicht nehmen ließ, dem Jahresausklang dadurch ein besonderes Gepräge zu verleihen. Ein Schatten fiel auf diese erste Silvesterveranstaltlmg, indem ein Autofahrer in die Tambourengruppe hineinfuhr und ein Mitglied ziemlich schwer verletzt wurde.

 

Im Juni 1925 fand in Zürich das 5. Eidgenössische Tambourenfest statt. Der Name Solothurn ist dort an 15. Stelle zu finden. Bei diesem. Anlass flatterte den St. Ursenstädtern zum ersten Mal ein kleines schmuckes Banner voran, welches seine Entstehung der Initiative einiger Mitglieder, vorab des Hauptinitianten E. Ramseier, verdankt.

 

Das Jahr 1926 bringt dem Verein viel Unangenehmes und innere Schwierigkeiten. Verschiedene Veranstaltungen, die zur Verbesserung der schlechten finanziellen Verhältnisse des Vereins durchgeführt werden, enden mit Defizit, zudem erzeigt der Jahresbericht einen ganz enormen Mitgliederrückgang. Nach dreijähriger Amtsführung ist auch der bewährte Gründer und Präsident, Fritz Wenger, aus Gesundheitsrücksichten genötigt, seine Demission einzureichen. Nebst dem Posten als Instruktor übernimmt der initiative Kämpfer Geiser Walter nun auch noch die administrative Leitung des Vereins. Der Besuch der Zentralschweizerischen Tambourentagung in Biberist, ein Rang-trommeln unter den Mitgliedern und eine 19 Abendunterhaltung, durchgeführt im Rosengartensaal, sind die einzigen Anlässe, welche die Chronik registriert.

 

Trotzdem sich der Mitgliederbestand der jungen Sektion auf ein Minimum reduziert hatte, sind aber diese Wenigen nach wie vor von einem gewaltigen Idealismus und Optimismus beseelt. Das kameradschaf-tliche Verhältnis dieser Getreuen ist ein vorbildliches und so kann auch diese Krise dank diesem Umstand und einer vorzüglichen Leitung bald überwunden werden.

 

Am honolulesischen Fasnachtsumzug 1927 sehen wir erstmals den Tambourenverein im närrischen Gewand. «Ferienkolonie» lautet das Sujet für Sonntag, um dann am Fasnachtsdienstag-Auftritt als alte Schweizer aufzutreten. Als wichtigen Anlaß erwähnt die Chronik die Gründung des Zentralschweizerischen Tambourenverbandes am 20. März 1927, wobei ebenfalls der Vorstand des Tambourenvereins Solothurn vertreten war.

 

Die Teilnahme am Interkantonalen Tambourenfest in Bözingen am 6,/7. August gestaltete sich für den Tambourenverein zu einem großen Erfolg, belegte er doch dort von 9 konkurrierenden Sektionen den 3. Rang mit 2 Einzelkränzen. Begeistert kehrten die Solothurner von diesem schönen Bielerfest zurück und die Freundschaftsbande, welche die benachbarten Tambouren schon damals miteinander verbanden, kommen im Schlußbericht über diesen Anlaß richtig zum Ausdruck, wo es wörtlich lautet:

«Denjenigen aber, die mitgeholfen haben, diesen schönen Erfolg zu erringen, der uns alle mit Stolz und Freude erfüllt, spreche ich im Namen des Vereins den herzlichsten Dank aus. Wir wollen sie immer als das begrüßen, was sie sind: Wahre, gute Freunde.»

 

Die Jahre 1928 und 1929 sind im Vereinsgeschehen nicht von großer Bedeutung. Die schwere Wirtschaftskrise, die auf unserem Land lastete, wirkte sich auch auf den Vereinsbetrieb nachteilig aus. Nebst den alljährlichen Anlässen, Fasnachtsumzug, 1. Augustfeier und Abendunter-haltung sei noch ein Freundschaftsbesuch des Tambourenvereins La Chaux-deFonds in Solothurn zu erwähnen.

 

Das Jahr 1930 war wieder der Teilnahme an einem Eidgenössischen gewidmet. 12 Mann stark zog der Verein am 31. Mai hinauf in die Uhrenmetropole La Chaux-de-Fonds. Diesmal war das erreichte Resultat, nach einem Unterbruch von 5 Jahren, seit Zürich, ehrenvoller. Von über 20 teilnehmenden Vereinen winkte der 6. Lorbeer, was als großer Erfolg gebucht werden durfte.

 

Ganz intensiv befasste sich die Vereinsleitung in dieser Zeit mit der Ausbildung des Nachwuchses. Schon damals wurde diesem Faktor das größtmögliche Interesse geschenkt. Im 9. Jahresbericht wird die junge Garde des Vereins speziell lobend erwähnt. Die Chronik führt hier wörtlich aus:

«Möge die junge Garde sich weiter ausbilden im gleichen Sinn und Geist wie bisher, dann wird ihnen der Erfolg nicht ausbleiben. Verfolgt weiterhin das von euch gesteckte große Ziel, zum Nutzen unseres schönen Trommelspiels. Hegt und pflegt die echte treue Tambourenkameradschaft. sie ist in Verbindung mit der Disziplin, die ja auch notwendig ist, die erste Voraussetzung zum Erfolg.»

 

Im Jahre 1931 findet in Roggwil das erste Verbandsfest des neugegründeten Zentralschweizerischen Verbandes statt. Daß daselbst die Solothurner nicht fehlten, ist ja selbstverständlich. Aber, daß sie sich bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal den Siegeslorbeer erkämpften und 5 Mitglieder im Einzelwettkampf in den ersten 10 Rängen figurieren, das war nun doch für den jungen Verein der bisher größte Erfolg.

 

Das gute Jahr 1932 soll laut Chronik das Jahr der Schicksalswende zum Guten gewesen sein. Zum ersten Mal befaßte man sich in dieser Zeit mit dem Baslertrommeln, das den Sektionsleitern am Kurs in Winterthur am 3/4. November 1931 vordemonstriert wurde. Daß sich die vorwärtsstrebenden Solothurner mit einem Eifer sondergleichen auf diese neue Materie stürzten, ist begreiflich. Im Allgemeinen galt das ganze Jahresprogramm der Vorbereitung auf das 7. Eidgenössische Tambourenfest, das dem Verein für das Jahr 1933 in Lenzburg bevorstand, und wieder als Gradmesser trommlerischen Könnens dienen soll.

 

Zum 10jährigen Bestehen erscheint der Verein im neuen schmucken Tenue: weißes Hemd, schwarze Krawatte und einheitliche Vereinsmütze. Dazu wurde auch die Instrumentenfrage der neuen Schlagweise angepasst. Die hohe Baslertrommel hat das alte halbhohe Ordonnanzinstrument verdrängt und selbst die rot-weiße Farbe muß der schwarz-weißen weichen. Das Schweizerische Lenzburgerfest brachte dann dem Tambourenverein Solothurn einen neuen großen Triumph. Im Gruppenwettkampf winkte der tüchtigen Kunstgruppe die Siegespalme und im Sektionswettkampf belegten die Ambassadoren den 2. Rang. Die Solothurner Zeitung vom 14. August erwähnt lobend den schönen Erfolg des Vereins und bringt die in Lenzburg konkurrierende Sektion im Bild an erster Stelle.

 

Und nun beginnt für den Tambourenverein Solothurn ein gewaltiger Aufstieg, der seinesgleichen sucht. Erfolg reibt sich an Erfolg, und es würde zu weit führen, wollte der Verfasser all die Anlässe und all die Feste, von denen die Solothurner sieggekrönt heimkehrten, einzeln erwähnen.

 

Ein besonderer Raum dieser Schrift gibt uns hierüber ausführlich Auskunft. Den Höhepunkt dieser sogenannten Glanzzeit registrieren wir im Jahre 1937 , wo die Sektion nach 14jährigem Bestand am Eidgenössischen Tambourenfest in Luzern zum ersten Mal die Schweizermeisterschaft errang, sowohl im Sektions-, wie im Gruppen- und Einzelwettkampf. Im letzteren war es Walther Hermann, der sich an diesem Fest den Titel des Schweizermeisters erkämpfte. Ein rauschender Empfang wurde damals unsern Tambouren bei der Heimkehr von Luzern in der St. Ursenstadt zuteil

 

Im Jahre 1938 erzeigte der aktive Mitgliederbestand die respektable Höhe von 22 Mann, wovon sich ein ganzes Dutzend aus Militärtambouren rekrutiert. Es sind dies die Früchte jahrelanger Aufbauarbeit.

 

Das Jahr 1939 bringt dann eine Änderung in der Vereinsleitung. An der Generalversammlung vom 11. März reichte der bewährte und vorzügliche Instruktor und Präsident Geiser Walter nach 16jähriger Tätigkeit seine endgültige Demission ein. Das erfolgreiche Wirken dieses vorbildlichen Kämpfers haben wir bereits an anderer Stelle eingehend gewürdigt. Seine Ernennung zum Ehrenmitglied und Ehreninstruktor bilden dem treuen Diener gegenüber nur kleine, äußere Zeichen.

 

Zum neuen Präsidenten wählt dann der Verein den Dritten dieses Gründerkleblattes, Jaeggi Hans, und als Instruktor wurde Walther Hermann, der bereits seit 8 Jahren das Amt des Vize-Instruktors inne hatte, bestätigt. Erwartungsfroh ging die neue Leitung, wie auch der Verein, an die ihm gestellten großen Zukunftsaufgaben heran. Galt es doch, das Vereinsschiff, analog seiner bis jetzt ruhmreichen Vergangenheit, auf dem erreichten hohen Niveau zu halten und die Leistungen in trommeltechnischer Hinsicht weiter zu verbessern.

 

Unter der neuen Leitung zog der Verein zum ersten Mal aus, an das Ost schweizerische Tambourenfest, am 24. Juni 1939, in die Munotstadt Schaffhausen Ebenfalls erfolgreich, ausgezeichnet mit dem ersten Kranz, kehrten sie von dort zurück. Und nun tritt ein für die ganze Welt folgenschweres Ereignis ein. Die Entfesselung des zweiten furchtbaren Weltkrieges. Das größte Völkerringen aller Zeiten war entbrannt und unser Land und Volk ging einer harten, unsichern Zukunft entgegen. Die allgemeine Mobilmachung erforderte immer mehr Kräfte aus dem Wirtschaftsleben, Feldgrau beherrschte das Straßenbild und ein Stillstand des normalen Lebens drängte sich auf.

 

Für den Tambourenverein aber galt es, die wenigen Daheimgebliebenen aufzumuntern und den Uebungsbetrieb trotz allen Unannehmlichkeiten weiterzuführen. Und der Schreibende glaubt mit Recht zu behaupten, daß es der Verein verstanden hat, auch unter den schwierigsten Verhältnissen diese sechs Kriegsjahre erfolgreich durchzustehen. Wenn auch die meisten unserer Mitglieder Hunderte und aber Hunderte von Aktivdiensttagen überstehen mußten, so haben sich doch bei kurzfristigen Urlauben alle Kameraden wieder in den Kreis der Tambouren zurückgefunden, um so unser Vereinsschiff über Wasser zu halten.

 

Die Chronik verzeichnet trotz der schweren Zeit für das Jahr 1940 ein Freundschaftstreffen mit der Sektion Grenchen und eine gut besuchte Abendunterhaltung in der ehemaligen Schützenmatte. Eine Vereinsreise führt den Verein ein Jahr später an den Genfersee nach Montreux und im Jahr 1942 sogar in den schönen Tessin nach Lugano.

 

 

Zu erwähnen sei noch der Besuch der Zentralschweizerischen Tam-bourentagung auf dem Gurten bei Bern und die regionalen Trommelwettkämpfe, durchgeführt in der Reithalle und Schützenmatte im September des gleichen Jahres.

 

Am 1. Februar 1942 erreichte uns die traurige Botschaft vom Tode unseres Gründers und Ehrenmitgliedes Wenger Fritz. Ein großer Freund und Förderer unseres Vereins ging mit ihm zur ewigen Ruhe ein, und eine Delegation mit Fahne entbot dem Verblichenen den letzten Gruß.

 

Den großen Schwierigkeiten zum Trotz wurde im Jahr 1943 in Lenzburg das Zentralschweizerische Tambourenfest durchgeführt. Eine erfreulich große Anzahl von Vereinen nahm daran teil, wobei die Sektion Solothurn zu ihrem 20jährigen Bestehen wieder den Sieg für sich beanspruchen konnte.

 

Das Jahr 1944 führte die St. Ursenstädter zum ersten Male ins Wallis nach Sitten, wo sie auf Einladung des Walliser Tambourenverbandes als Gäste weilten und sich daselbst an der Konkurrenz beteiligten.

 

Im Anblick der größten kriegerischen Auseinandersetzung aller Zeiten stieg das Jahr 1945 herauf. In gespannter Erwartung und belastet mit großen Einschränkungen verfolgt das Schweizer Volk die Geschehnisse rings um die Grenzen. Im Frühjahr überstürzen sich dann die Ereignisse. Das Kriegsglück hat sich zugunsten der alliierten Mächte gewendet, und wie dann die Glocken am denkwürdigen 8. Mai die Waffenruhe verkünden, da war es der Tambourenverein, der wuchtig in den stillen Gassen der Aarestadt zum Frieden trommelt.

 

Vielversprechend und hoffnungsvoll trat der Verein hinüber in die Nachkriegszeit (1945). In einem neuen Uebungslokal, im St. Ursen-schulhaus, das die Gemeinde unsern Tambouren in verdankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat, findet man sich zu intensiven Proben zusammen.

 

Ebenfalls soll die Gründung einer Zöglingsriege dem Verein den notwendigen Nachwuchs verschaffen.

 

Am 22./23. September weilte die ganze Sektion in der Walliser Metropole Brig, wo die Konkurrenz des Oberwalliser Tambourenverbandes stattfand. Die sieggewohnten Solothurner erhielten daselbst einen kleinen Dämpfer, indem der Verein mit dem zweiten Rang vorlieb nehmen mußte.

 

Im Zeichen des 9. Eidgenössischen Tambourenfestes in Winterthur zieht das Jahr 1946 herauf. Verein und Leitung waren sich bewußt, daß das erste schweizerische Nachkriegsfest, nach einem Unterbruch von neun Jahren, eine gewaltige Beteiligung von Sektionen erzeigen werde und daß man dementsprechend auch mit einer großen, schweren Konkurrenz zu rechnen hatte. Daß die Fahrt in die Eulastadt für den Sieger von Luzern anno 1937 keine leichte war, ist zu begreifen. Wenn es dem Verein in Winterthur nach hartem Wettkampf wieder gelang, zum zweiten Male den Siegerlorbeer an die Solothurner Fahne zu heften, so wollen wir das in erster Linie der Opferbereitschaft und Disziplin, wie auch dem wunderbaren Kameradschaftsgeist der Mitglieder, wie der Leitung verdanken. Die «Solothurner Zeitung» vom 20. Juli schreibt zum Solothurner Erfolg wörtlich:

"Der Tambourenverein Solothurn, der nächstes Jahr auf sein 25jähriges Bestehen zurüchblicken kann, errang kürzlich am Eidgenössischen Tambourenfest in Winterthur bei einer Beteiligung von über 30 Sektionen in der ersten Stärkeklasse den 1. Rang. Der Erfolg ist um so bemerkenswerter, weil er gegen namhafte Sektionen wie Luzern, Zürich u. a. m. und gegen altbekannte Basler Kliquen, wie Alti Stainlemer errungen wurde."

 

Der Sektion Solothurn, die nun zum zweiten Male nach heißem Kampf die Schweitzer Meisterschaft errungen hat, darf zum schönen Erfolg gratuliert werden. Solche Siege bilden den Abschluß jahrelanger, zielbewußter Arbeit. Wir freuen uns, in der St. Ursenstadt eine Trommlersektion zu besitzen, die eine überlieferte, Jahrhunderte alte Kunst pflegt und bei öffentlichen und vaterländischen Anlässen in unseren alten Gassen mächtig die Kalbfelle erdröhnen läßt.

 

Nicht unerwähnt sei hier die Beteiligung des Tambourenvereins an der ersten Friedensfasnacht und an den letzten Fasnachtsumzügen im allgemeinen. Närrischer Geist machte sich jeweils bei den Sujets des Tambourenvereins bemerkbar und das fasnachtsliebende Publikum verdankt auch hier durch vermehrte Sympathie die Leistungen des Vereins auf diesem Gebiet.

 

Und nun folgte am 31. Mai/1. Juni 1947 unsere unvergeßliche Fahnenweihe. Der Anlaß, der vor dem Baseltor und der Reithalle durch-geführt wurde, artete zum wahren Volksfest aus. Ich möchte an dieser Stelle nicht näher auf die unvergeßlichen Erlebnisse und Eindrücke dieser einzigartigen Veranstaltung eintreten, da ein spezieller Bericht über diesen Anlaß in der Vereinschronik enthalten ist.

 

Drei Wochen später, am 20.,/21. Juni, zog unsere neue Fahne zum ersten Male voran ans Zentralschweizerischen Tambourenfest nach Burgdorf, um daselbst ihre zweite Weihe zu erhalten. Gekrönt mit dem Siegerlorbeer flattert die weiß-rote Seide am Sonntagabend beim Rückmarsch durch die Hauptgasse über uns.

 

Sehmerzerfüllt stehen wir am 31. Mai 1948 an der Bahre eines Treuesten der Treuen, Walter Geiser sen., Ehreninstruktor. Ein Freund von vorbildlicher Pflichterfüllung dem Verein gegenüber hat die Augen für immer geschlossen. In ergreifender Weise erwies ihm der Tambourenverein auf St. Katherinen die letzte Ehre. In der Vereinschronik wird das Leben und Wirken von Papa Geiser und seine großen Verdienste dem Verein gegenüber voll gewürdigt.

 

So wollen wir denn eintreten in die Jubiläumszeit September 1948:

 

 

25 Jahre Tambourenverein Solothurn.

 

Das Jubiläumsfest soll uns Anlaß zu kurzer Besinnung, aber auch zu freudigem Gedenken sein.

 

Aus kleinen Verhältnissen heraus ist der Tambourenverein Solothurn groß geworden. Groß geworden durch die Jahrzehnte lange unermüdliche Arbeit zielbewußter Idealisten, für unser gemeinsames Ideal, das Trommelspiel.

 

Wir wissen, daß im Jahre unseres 25. Geburtstages viele Freunde und große Kreise der Bevölkerung freudig und ermunternd hinter uns stehen. Ihnen allen gilt der Dank des ganzen Vereins, vorab der Behörde, Freunden und Gönnern, die uns stets ihre Sympathie entgegengebracht haben und die dem Verein die nötige Unterstützung nicht versagten.

 

Der Dank gilt aber auch allen Vereinsmitgliedern, die in dieser 25jährigen Vereinstätigkeit dazu beigetragen haben, das erste Vierteljahrhundert Tambourenverein Solothurn so erfolgreich abzuschließen. Möge Glück und Erfolg, welche dem Tambourenverein in dieser ersten Zeitepoche beschieden waren, dem Verein weiterhin treu bleiben und die Tambourenschar begleiten auf der Fahrt ins zweite Vierteljahrhundert.

 

Walther Hermann

19.12.1910 – 5.6.1999

Ehrenmitglied & Ehrenpräsident