Am 9. Juni nahm, begleitet durch gedämpften Trommelklang, eine grosse Trauergemeinde in Langendorf Abschied von einer grossen Persönlichkeit im kulturellen Leben Solothurns . Mit Hermann Walther verstarb nicht nur ein Pionier im schweizerischen Trommelwesen, sondern ein Mensch, dessen Anliegen es stets war, Jugendlichen in ihrer Freizeit einen gewissen Rahmen zu bieten, der ihnen Halt gab, aber auch eigene Leistung erforderte. Zeit seines Lebens war Herrmann Walther als Trommellehrer Vorbild für Dutzende junger Tambouren, die er noch nach seinem achtzigsten Altersjahr ausbildete. Er hat nicht nur von Nachwuchsförderung geredet, nein, er hat sie gelebt.
Schon kurz nachdem Hermann Walther 1927 als 16-jähriger Jüngling in den Tambourenverein Solothurn aufgenommen wurde, wurde er in den Vorstand gewählt und hat dort 45 Jahre lang (!)in vielen Chargen gewirkt. Als talentierter Militärtambour (er errang u.a. 1937 denn Schweizermeistertitel in der höchsten Kategorie im Einzeltrommeln) wurde er 1939 technischer Leiter des Tambourenvereins Solothurn gewählt und errang mit ihm viermal den Sektionsschweizermeistertitel in der höchsten Kategorie. Dann wurde ihm 1946 auch noch das Präsidentenamt anvertraut. Während 27 Jahren, davon 23 im Doppelamt als technischer Leiter, hat er den Solothurnischen Tambourenverein als Präsident geführt. Gleichzeitig zu seinem Vereinsdoppelamt war er noch während 10 Jahren Präsident des Zentralschweizerischen Tambourenverbandes. Drei derart anspruchsvolle Aemter gleichzeitig- und neben seinem Beruf als Aussendienstmitarbeiter eines Verlags- auszuüben, das war schon fast übermenschlich. Dazu war er noch unzählige Male als Experte und Kampfrichter an Tambouren- und Musikfesten in der ganzen Schweiz gefragt. Auch an der Solothurner Fasnacht war Hermann Walther mit seinem Tambourenverein bald eine feste Grösse. All dies hat von Hermann Walther einen enormen Einsatz seiner Person verlangt. Für Privatleben oder etwa heiraten hat er kaum Zeit. Sein Leben war das Trommeln. Diesem alten traditionellen Kulturgut hat er seine ganze Freizeit geopfert. Der Tambourenverein Solothurn, das war seine Familie.
Mit viel Engagement hat sich der Verstorbene immer wieder dafür eingesetzt, dass in unserer Ambassadorenstadt Feste durchgeführt werden, seien das Tambourenfeste, Jubiläen, Delegiertenversammlungen oder andere Feiern. Er selber hat neben dem früheren Eidgenössischen Tambourenfest (1970) viele Festanlässe selber organisiert. Deshalb hat er letztes Jahr natürlich mit besonderer Freude das Tambourenfest in Solothurn als besonders geehrter Ehrengast genossen.
Seine Initiative und sein Einsatz sind mit vielen Ehrungen und Ehrenmitgliedschaften belohnt worden. Nur schon die Titel in seinem Tambourenverein Solothurn geben Zeugnis ab seiner Schaffenskraft: Ehrenmitglied, Ehreninstruktor und Ehrenpräsident.
Besonders stolz war er auf seine Ehrenmitgliedschaften im Schweizerischen und im Zentralschwei-zerischen Tambourenverband, aber auch auf die Ehrenmitgliedschaften in der Solothurner Fasnachtsgesellschaft UNO, im Tambourenverein Biberist und in der Stadtmusik Solothurn, um nur ein paar zu nennen. Alle seine Freunde haben sich mit ihm zusammen über die Ehrung durch den Regierungsrat des Kantons Solothurn gefreut, der ihm 1991 den Kulturanerkennungspreis des Kantons Solothurn zugesprochen hatte und ihn so für sein Lebenswerk ehrte.
In jüngster Zeit machten sich bei Hermann Walther einige Altersbeschwerden bemerkbar, die einen kurzen Spitalaufenthalt nötig machten, sowie einen anschliessenden Aufenthalt im Alters-und Pflegeheim Dotzigen. Da schlief er dann in der Nacht auf den 5. Juni für immer ein. Er hinterlässt eine grosse Lücke, die niemand schliessen kann. Aber er hinterlässt auch ein immenses Lebenswerk, und seine Trommelkunst lebt in seinen Schülern und Tambourenkameraden weiter. Er wird nicht vergessen werden.
Roland Heim, Ehrenpräsident